(Ent-)Tabuisierung

Die Vulva ist ein faszinierender, komplexer und vielseitiger Körperteil. Dennoch wird sie bis heute häufig verschwiegen, verniedlicht oder mit Scham belegt.

Enttabuisierung und Sichtbarkeit

Dieses Tabu prägt nicht nur die gesellschaftliche Wahrnehmung, sondern auch die Sprache, die wir verwenden, um über sie zu sprechen. Doch langsam verändert sich das Bild: Die Vulva wird sichtbarer, benennbarer und selbstverständlicher.


Sprache schafft Realität

Das Wort „Schamlippen” ist ein gutes Beispiel dafür, wie Sprache Tabus festschreibt. Denn an der Vulva gibt es nichts, was mit Scham in Verbindung gebracht werden könnte. Die Bezeichnung transportiert jedoch genau diese Assoziation.
Neutralere Begriffe wie „Vulvalippen” oder schlicht „innere” und „äußere Lippen” sind daher nicht nur sprachlich treffender, sondern auch entlastender. Worte sind schließlich nicht nur Beschreibungen, sondern auch Botschaften.

Sprache schafft Realität - Demo des Womens March

Die Veränderung der Sprache mag wie ein kleiner Schritt wirken, ist aber in Wahrheit ein großer. Denn wer benennt, ohne zu beschämen, schafft Normalität. Jahrhundertelang war die Vulva aus der öffentlichen Darstellung fast vollständig verbannt. In Kunst, Medizin und Popkultur wurde sie verzerrt, reduziert oder schlicht ignoriert. Selbst in Schulbüchern taucht sie oft nur am Rande auf – während andere Körperteile selbstverständlich dargestellt werden. Wie bereits im Abschnitt der Klitoris erwähnt, war bis vor wenigen Jahren nicht einmal die Größe der Klitoris bekannt, geschweige denn wurde sie vollständig abgebildet, was bis vor kurzem selbst für den bekanntesten Medizinatlas „Prometheus“ (externer Link) galt.

Bildquelle: Elvert Barnes creator QS:P170,Q104713920, 30.Enroute.WomensMarch.WDC.21January2017 (32497084045)CC BY-SA 2.0


Sichtbarkeit in Kultur und Alltag

Tabus lösen sich nicht über Nacht auf. Doch je mehr über die Vulva gesprochen, geforscht und aufgeklärt wird, desto mehr wird sie aus der Nische des Unaussprechlichen geholt. Für viele Frauen bedeutet das mehr Wissen über den eigenen Körper, mehr Selbstakzeptanz und mehr Handlungsspielraum in Bezug auf Gesundheit und Sexualität.

Tabus brechen durch Selbstverständlichkeit von Geschlechtsmerkmalen

Die Enttabuisierung ist also kein Selbstzweck, sondern wirkt sich ganz konkret aus: Sie verbessert die medizinische Versorgung, reduziert Schamgefühle und ermöglicht eine vielfältigere und selbstbestimmtere Sexualität.
Künstler:innen, Aufklärungsprojekte, soziale Medien und auch wir, tragen dazu bei, die Vulva in ihrer Vielfalt sichtbar zu machen. Ob realistische Darstellungen, Aufklärungsvideos oder schlicht ehrliche Gespräche im Freundeskreis – all das sind Teile eines großen Puzzles.
Je häufiger die Vulva als normaler Teil des Körpers gezeigt und benannt wird, desto weniger Raum bleibt für Unsicherheit. Einen Teil zu dieser Entwicklung möchte auch unsere Webseite beitragen. Aus diesem Grund zeigen wir Bilder von Vulven in größerer Diversität und gehen sprachlich offen, sachlich und wertschätzend mit den damit verbundenen Themen um.