Die Vulva ist ein zentraler Bestandteil des weiblichen Körpers und dennoch von vielen Missverständnissen und Tabus geprägt. Wissen darüber ist wichtig für Gesundheit und Sexualität sowie für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander. Ein grundlegendes Verständnis ihrer Anatomie hilft dabei, Vorurteile abzubauen und das gegenseitige Verständnis zwischen den Geschlechtern zu stärken.

V wie Vulva

Bevor wir uns jedoch im Detail mit den Themenbereichen Gesundheit, Sexualität und Gesellschaft befassen, starten wir mit den anatomischen Grundlagen. Was im ersten Moment sehr einfach und fast schon selbsterklärend klingt, stellt viele Männer und Frauen in der Realität vor eine große Herausforderung (auch wenn die eigene Wahrnehmung teils eine andere ist…).
Starten wir also direkt mit den Basics – los geht´s!


Vulva-Anatomie – Basics

Um mitreden zu können und ein erfüllendes Miteinander zu erleben, ist es wichtig, die Begriffe der nachfolgenden Grafik zu kennen. Selbstverständlich dürfen Menschen mit Vulva gerne selbst überprüfen, ob sie alles richtig zuordnen können. Aber auch in Beziehungen, in denen mindestens ein Partner eine Vulva hat und entsprechend offen ist, darf gerne ein Blick riskiert werden.

Vulva-Anatomie

Die Darstellungen unterschiedlicher Vulven-Formen hier, aber auch auf der gesamten Webseite darf vermitteln, dass jede Vulva unterschiedlich ist. Und das ist auch gut so, denn es zeigt Individualität. Neben der Bildsprache fällt jedoch auch die Sprache selbst auf. So ist bewusst der Begriff Vulvalippen zu lesen, statt Schamlippen, denn Grund für Scham gibt es nicht.

Viele Menschen kennen nur stark vereinfachte, schematische Darstellungen der Vulva, wie sie oft in Schulbüchern zu finden sind. Um ihren Aufbau zu verstehen, braucht man jedoch echte Bilder, die alle Bereiche zeigen. Von der Klitorisvorhaut über den Scheideneingang bis zur Fourchette.
Demgegenüber steht jedoch der Missbrauch solcher Grafiken, was vor allem im Internet ein kompliziertes Thema ist. Aus diesem Grund greifen auch wir auf vereinfachte Darstellung zurück und verweisen an dieser Stelle auf Wikipedia. Dort sind unter den jeweiligen Begriffen natürlich auch realistische Vulven (oder wahlweise Penisse) zu sehen.

Bildquellen: CNX Anatomy – http://cnx.org/, Bearbeitung durch MosmasVulva (deutsch), Begriffsreduzierung und -Korrektur von LaVulva.de, CC BY 4.0


Nun durften wir die Vulva bereits in einer klassischen Ansicht bewundern. Im nächsten Schritt wird noch weiter gezoomt, sodass mehr Details sichtbar werden.

a) Klitorisvorhaut
Sie schützt das empfindliche Klitorisköpfchen. Größe und Aussehen sind bei jedem Menschen mit Vulva unterschiedliche und variieren wie das Aussehen der Vorhaut bei einem Penis. Tatsächlich gibt es dabei sogar anatomische Parallelen, wie im Bereich Klitoris näher beschrieben wird.

b) Klitoriseichel und Klitorisschaft
Das kleine, teils sichtbare Köpfchen ist lediglich die Spitze eines deutlich größeren Organs, das sich im Inneren verzweigt. Der Klitoriskopf macht dabei lediglich 5–10 % der Gesamtgröße aus.

c) innere Vulvalippen (Labia minora)
Die inneren Falten sind unglaublich individuell: Sie können größer oder kleiner sein als die äußeren Lippen, symmetrisch oder asymmetrisch. So einzigartig wie ein Fingerabdruck.

d) äußere Vulvalippen (Labia majora)
Sie bilden die äußere Begrenzung. Manchmal glatt, manchmal behaart, mal üppig, mal schmal. Je nach Anatomie können sie die inneren Vulvalippen fast vollständig umschließen.
Der medizinische Fachausdruck (minora/majora) der Vulvalippen weist auf die Größe hin. Das mag medizinisch zweckmäßig sein, ist in der Realität jedoch nicht sehr aussagekräftig. So kann das Verhältnis bei echten Vulven genau andersherum sein. Daher ist „innere“ und „äußere“ Vulvalippe deutlich passender.

Vulva mit Beschreibung

e) Harnröhrenöffnung
Eine kleine, unscheinbare Öffnung zwischen Klitoris und Scheideneingang. Ihre einzige Aufgabe: Urin ablassen. Mehr macht sie nicht – aber das dafür sehr zuverlässig.

f) Vaginalöffnung
Hier beginnt die eigentliche Vagina. Blut, Periodenprodukte, Finger, Penisse oder Babys – sie alle nehmen diesen Weg. Trotz all dieser Aufgaben ist das Gewebe erstaunlich dehnbar und robust.

g) Fourchette
Das ist eine kleine Hautfalte am unteren Ende, wo die beiden inneren Vulvalippen zusammenlaufen.

h) Damm mit Dammnaht und der Anus
Der Damm ist der Bereich zwischen Vaginalöffnung und Anus. Im Speziellen ist dieser mittig durch die Dammnaht als kleine Linie aus Haut gekennzeichnet. In vergleichbarer Form findet sich dieses Merkmal auch beim Mann, wo die Hautfalte entlang des Hodensacks nach unten und ebenso bis zum Anus verläuft.
Und direkt dahinter: Der Anus selbst, der oft gern nur am Rand erwähnt wird, im Alltag aber durchaus eine Hauptrolle spielt.


Einer der größten Aufklärungsmythen: Die Vulva wird im Alltag oft fälschlich als „Vagina“ bezeichnet. Dabei bezeichnet die Vagina eigentlich nur deninneren, muskulären Kanal zwischen Vulva und Gebärmutter. Die Vulva hingegen beschreibt den äußeren sichtbaren Teil. Nehmen wir uns somit einen Spiegel und schauen uns an was wir sehen, dann ist alles Sichtbare die Vulva.

Vulva und Vagina

Aber warum ist das wichtig? Sprache prägt unser Körperwissen. Wenn wir Vulva und Vagina verwechseln, wird das Wissen über die tatsächliche Anatomie verschleiert – und die Sichtbarkeit des weiblichen Körpers bleibt eingeschränkt. Wer die Begriffe richtig verwendet, trägt aktiv dazu bei, Aufklärung und Gleichberechtigung zu fördern und drückt sich zudem auch richtig aus. Wer Wangen und Backen verwechselt, wird schließlich auch komisch angeguckt. 🙂