Schönheitsideale

Die Vulva ist so individuell wie ein Fingerabdruck – und wird in den Medien sowie in der Pornografie dennoch oft auf ein sehr schmales Ideal reduziert. Das Problem dabei ist: Wer ständig nur diese vermeintliche Idealvorstellung vor Augen hat, beginnt schnell, an der eigenen Vielfalt und der Vielfalt der Gesellschaft zu zweifeln.

echte Schönheitsideale

Ähnlich ist es bei der (ebenfalls vermeintlich) makellosen Schönheit im Bereich Make-up. Es wird also Zeit, einen Blick auf Schönheitsideale und ihre Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung und Körperbilder zu werfen.


Vielfalt statt Norm

Keine Vulva sieht aus wie die andere – und das ist normal. Große innere Lippen, kleine äußere Lippen, unterschiedliche Farben, Formen und Asymmetrien sind allesamt Teil der natürlichen Bandbreite. Dennoch wird diese Vielfalt selten sichtbar gemacht. Medien unterschiedlichster Art zeigen oft ein sehr einheitliches Bild, was viele Frauen verunsichert. Dadurch werden Unterschiede als „Abweichung“ statt als Variation wahrgenommen.

3 Vulven aus Ton

Die drei Bilder zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der Variationen und des Normalzustands. Mal größere Vulvalippen, mal kleinere, mal mit sichtbarer Klitoriseichel, mal nicht. Und auch für Körperschmuck gilt: Ohrlöcher, Zungenpiercings oder Brustwarzenpiercings sind mittlerweile weit verbreitet. Piercings im Intimbereich ebenso – nur sieht man sie selten in der Öffentlichkeit, wenn, dann am Strand oder in der Dusche des Schwimmbads.
Bezogen auf die Form ist eine symmetrische Vulva eher die Ausnahme als die Regel. Vielfalt ist die Norm – und Normen, die Vielfalt ausblenden, sind schlicht unrealistisch.


Der Einfluss von Medien und Pornografie

Pornografie und retuschierte Darstellungen in den Medien tragen maßgeblich zur Entstehung von Schönheitsidealen bei. Viele Bilder sind so stark standardisiert oder nachbearbeitet, dass sie kaum noch etwas mit der Realität zu tun haben. Wer diese Bilder ständig konsumiert, bekommt schnell den Eindruck, die eigene Vulva müsse „anders“ aussehen. Das gilt in noch höherem Maß für Männer und ihre falschen Erwartungen an die Vulva ihrer Partnerin. Was in den unterschiedlichsten Medien zu sehen ist, wird als Maßstab genommen, ohne zu erkennen, dass dies vollkommen verschobene Realitäten abbildet.

Vulven werden in Filmen oft unrealistisch dargestellt

Das Problem dabei ist, dass ein solches Ideal Druck erzeugt, Selbstzweifel hervorruft und in manchen Fällen sogar den Wunsch nach kosmetischen Eingriffen auslöst. Vulva-Operationen haben in den letzten Jahren zugenommen – oft aus ästhetischen statt aus medizinischen Gründen. Dies zeigt, wie sehr äußere Bilder innere Vorstellungen prägen können.

Schönheitsideale haben Macht, aber sie sind nicht unveränderlich. Je mehr über die Vielfalt von Vulven aufgeklärt wird, desto leichter fällt es, sich vom Druck äußerer Erwartungen zu lösen. Das Ziel besteht darin, zu verstehen, dass Schönheit im Auge des Betrachters bzw. der Betrachterin liegt. Denn auch Männer lösen sich zunehmend von vorgegebenen Idealen. Dies betrifft sowohl ihre Vorstellungen von ihrer Partnerin als auch ihre eigenen Vorstellungen. Auch hier hilft es, miteinander zu reden, um Sichtweisen zu teilen oder vielleicht sogar gegenseitige Kompromisse zu schließen.

Bildquelle: Achim Raschka14-10-17 Liveshow PussyKat FotografenCC BY-SA 4.0