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Klitoris
Die Klitoris ist klein und oft unscheinbar. So wird es zumindest oft dargestellt – und das ist falsch! Selbst in Schulbüchern ist diese veraltete Form des Wissens teilweise noch zu lesen. Leider!
Modell einer Klitoris mit Klitoriskopf am oberen Ende
Die gesamte Klitoris ist deutlich größer und gleichzeitig ein faszinierendes Wunderwerk der menschlichen Anatomie. Trotz ihrer zentralen Rolle für die weibliche Lust wurde sie über Jahrhunderte hinweg in der Wissenschaft und Medizin ignoriert oder stark verkleinert dargestellt. Dabei ist sie das einzige Organ des Menschen, das ausschließlich für Lustempfindungen geschaffen ist – ein einzigartiges Symbol für weibliche Sexualität und sexuelle Gesundheit.
Vulva und Klitoris – ein echtes Dreamteam
Betrachtet man die gesamte Größe der Klitoris, handelt es sich um ein komplexes Netzwerk aus Schwellkörpern, Nerven und Gewebe, das sich weit über den sichtbaren Bereich hinaus erstreckt. Ihre Anatomie ist nicht nur spannend, sondern auch entscheidend, um weibliche Erregung und sexuelles Wohlbefinden zu verstehen, dass sich jedoch nicht nur auf die Klitoris beschränkt.
Wo ist was?
1 – Klitoriseichel / Klitoriskopf
2 – Klitorisvohaut
3 – Schwellkörperschenkel
4 – Vorhofschwellkörper (Bulben)
5 – äußere Vulvalippen/Labien
6 – innere Vulvalippen/Labien
7 – Harnröhrenöffnung
Sciencia58, Vulva und Klitoris 1, Bildreduzierung und Anpassung durch LaVulva.de, CC0 1.0
Anatomie – mehr als ein Knopf
Der Klitoriskopf ist nur die „Spitze des Eisbergs“, denn der Großteil liegt unsichtbar im Inneren: Schwellkörper, Schenkel und Vorhofzwiebeln, die bei Erregung anschwellen und für das berühmte „Wow-Gefühl“ sorgen. Mit rund 8.000 – 10.000 Nervenenden besitzt sie die höchste Dichte an Nervenzellen im menschlichen Körper – und das ausschließlich im Dienst des Vergnügens. Ein Penis kann im Vergleich nur ungefähr die Hälfte vorweisen.
Dass dieses Wissen erst in den letzten Jahrzehnten wirklich verbreitet wurde, ist kein Zufall: Die Anatomie der Klitoris wurde in der Medizin lange ignoriert oder verharmlost. Heute ist klar: Sie ist keine Nebendarstellerin, sondern Hauptfigur, wenn es um weibliche Lust geht.
Die Bulben (lat. für Ziebel) sind die Vorhofschwellkörper und Crus eine Abkürzung der lateinischen Bezeichnung für die Schwellkörperschenken bzw. bei der Frau die Klitorisschenkel. Als „RSP“ (infracorporeal Residual Spongy Part) wird ein schwammartiges Schwellkörpergewebe bezeichnet, welches als Verbindung zwischen Klitoriskörper und Klitorisspitze dient.
Bildquelle: Sciencia58, Klitoris Penis Homologie 1, angepasste Benamung von LaVulva.de, CC0 1.0
Funktion, Vielfalt und Erregung
Die Klitoris ist das Epizentrum sexueller Lust – aber ihre Wirkung ist so individuell wie die Menschen selbst. Manche reagieren schon auf sanfte Berührung, andere brauchen mehr Stimulation oder Kombinationen mit vaginaler Erregung. Klar ist: Ohne die Klitoris ist ein Orgasmus für viele Frauen deutlich schwerer erreichbar.
Interessant ist auch, dass die Klitoris während des Lebens Veränderungen durchläuft: Mit der Pubertät wächst sie, in der Schwangerschaft schwillt sie stärker an (mehr dazu im Bereich Schwangerschaft), und auch in den Wechseljahren verändert sich ihre Empfindlichkeit. So zeigt sie, dass Lust ein dynamischer Prozess ist.
Auf dem folgenden Bild ist die Klitoris noch einmal im Detail zu sehen. Die gestrichelte Linie zeigt die inneren Vulvalippen, um die Größe und Position besser einordnen zu können.
Als letzter Punkt fällt die Bartholin-Drüse auf, die im Unterricht oder in Erklärungen zur Vulva nur selten genannt wird, obwohl sie eine wichtige Funktion hat: Sie sorgt für eine ausreichende Lubrikation. Umgangssprachlich würde man es als „feucht werden“ bezeichnen, wobei das Sekret gleich mehrere Funktionen hat. Primär erhöht es jedoch die Gleitfähigkeit.
Die Parallelen zum Penis sind verblüffend: Eine ganz ähnliche Funktion erfüllt das Prä-Ejakulat und weist in Bezug auf Konsistenz und Aussehen deutliche Ähnlichkeiten auf, wobei dieses durch die Cowper-Drüse abgesondert wird.
CNX Anatomy – http://cnx.org/, Bearbeitung durch Mosmas, Vulva (deutsch), Begriffsreduzierung und -Korrektur von LaVulva.de, CC BY 4.0
Klitoris und Gesellschaft
Vom Tabu zu Empowerment
So faszinierend die Klitoris ist, so groß ist auch das Tabu, das sie lange umgab. In vielen Aufklärungsbüchern fehlte sie oder wurde nur am Rande erwähnt. Pornografie reduzierte sie oft auf visuelle Klischees, und Sprache machte sie unsichtbar. Das Ergebnis: Generationen von Frauen wuchsen mit wenig bis keinem Wissen über ihr eigenes Lustorgan auf. Doch das ändert sich!
Clitoris Awareness Week / Demonstration in Paris, 2019
Feministische Bewegungen, Aufklärungsprojekte und Kunst machen die Klitoris sichtbarer. Modelle, Illustrationen und Kampagnen sorgen dafür, dass sie nicht länger „vergessen“ wird. Dieses neue Wissen ist nicht nur biologisch relevant, sondern auch politisch: Es bricht mit Mythen, gibt Frauen mehr Selbstbestimmung und zeigt, dass Lust ein selbstverständlicher Teil von Sexualität ist.
Bildquelle: Jeanne Menjoulet from Paris, France, 8 mars 2019 – Paris République (40355995113), CC BY 2.0
